Einen Onlinekurs erstellen heisst: Ergebnis festlegen, Inhalte in kurze Lektionen schneiden, auf einer Plattform mit Zugriffsschutz und Zahlungsabwicklung ausliefern. Die Technik ist dabei der kleinste Teil. Der Teil, an dem die meisten Kurse scheitern, kommt vorher und danach. Vorher: ein Versprechen, das jemand kaufen will. Danach: ein Kurs, den Teilnehmer wirklich zu Ende machen. Ich zeige dir in diesem Artikel den kompletten Weg, mit den Zahlen und Entscheidungen, die dabei wirklich zählen.
Letzte Aktualisierung: August 2026
Onlinekurs erstellen: die vier Entscheidungen vor der ersten Aufnahme
Einen Onlinekurs erstellen beginnt nicht mit der Kamera, sondern mit vier Festlegungen. Die meisten Kurse, die ich begleitet habe, sind nicht an schlechtem Ton gescheitert. Sie sind daran gescheitert, dass niemand in einem Satz sagen konnte, was der Teilnehmer am Ende kann. Bevor du also eine Kamera anfasst, klär diese vier Punkte.
- Das Ergebnis: Was kann jemand nach dem Kurs, das er vorher nicht konnte? Nicht "versteht Buchhaltung", sondern "erstellt die eigene Einnahmenüberschussrechnung ohne Steuerberater".
- Der Ausgangspunkt: Was muss jemand mitbringen, um dir folgen zu können? Diese Angabe ist auch dein wichtigster Filter gegen Rückerstattungen.
- Das Format: Video, Text, Arbeitsblätter, Live-Termine oder eine Mischung. Nicht jedes Thema braucht Video.
- Der Preis: Er entscheidet mit über die Plattformwahl. Bei 49 € pro Verkauf sieht die Rechnung anders aus als bei 1.490 €.
Was ist ein Onlinekurs?
Ein Onlinekurs ist ein strukturiertes Lernangebot, das Teilnehmer zeitlich unabhängig über eine Lernplattform abrufen. Er besteht typischerweise aus Lektionen in fester Reihenfolge, begleitendem Material und einem Zugang, der nach dem Kauf freigeschaltet wird. Der Unterschied zu einem einzelnen Video oder einem PDF liegt in genau diesen drei Dingen: Struktur, Fortschritt und geschützter Zugriff.
Warum die Abschlussquote deine wichtigste Kennzahl ist
Wer einen Kurs zu Ende macht, empfiehlt ihn weiter und kauft den nächsten. Wer nach Lektion zwei aussteigt, fordert sein Geld zurück. Die Forschung zu offenen Onlinekursen zeigt, wie gross das Problem ist.
Die Abschlussquoten offener Onlinekurse liegen zwischen 0,7 und 52,1 Prozent, der Medianwert beträgt 12,6 Prozent. Längere Kurse haben dabei systematisch niedrigere Abschlussquoten als kurze.
Quelle: Katy Jordan, The Open University UK, „Massive Open Online Course Completion Rates Revisited: Assessment, Length and Attrition", International Review of Research in Open and Distributed Learning 16(3), Auswertung von 221 offenen Onlinekursen, 2015
Diese Zahlen stammen aus dem Umfeld kostenloser Massenkurse und lassen sich nicht eins zu eins auf einen bezahlten Kurs übertragen. Wer Geld bezahlt hat, bleibt deutlich häufiger dabei. Die zweite Erkenntnis aus der Studie gilt aber unabhängig vom Preis: Je länger der Kurs, desto weniger Leute kommen an. Das ist ein Argument für kurze Lektionen und einen klar abgegrenzten Umfang, nicht für den 40-Stunden-Komplettkurs, den viele als erstes bauen wollen.
Ich empfehle deshalb, den ersten Kurs bewusst klein zu halten. Ein Thema, sechs bis zehn Lektionen, jede unter zwölf Minuten. Das ist schneller fertig, wird häufiger abgeschlossen und du erfährst früher, ob jemand dafür zahlt.
Welche Plattform passt zu deinem Onlinekurs?
Es gibt vier grundsätzlich verschiedene Wege, einen Kurs auszuliefern. Sie unterscheiden sich weniger in den Funktionen als in der Frage, wem die Kundenbeziehung gehört und was pro Verkauf abgeht.
| Weg | Laufende Kosten | Passt, wenn | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Marktplatz (Udemy, Skillshare) | keine Grundgebühr, hohe Umsatzbeteiligung | du Reichweite brauchst und den Preis nicht selbst setzen musst | die Teilnehmer gehören dem Marktplatz, nicht dir |
| Kursbaukasten (ablefy, Coachy, Memberspot) | Monatsgebühr plus Transaktionsgebühr | du schnell starten willst und Zahlungsabwicklung abgeben möchtest | Umsatzbeteiligung bleibt dauerhaft, Gestaltung ist begrenzt |
| WordPress mit LMS-Plugin | Hosting plus jährliche Lizenzen | du bereits eine Webseite hast und Kontrolle willst | Einrichtung und Wartung liegen bei dir |
| Eigene Lösung auf deiner Webseite | einmalige Umsetzung plus Hosting | der Kurs langfristig läuft und der Umsatz zählt | höhere Anfangsinvestition |
Die ehrliche Antwort für den allerersten Kurs: Nimm den Weg, der dich am schnellsten zum ersten Verkauf bringt. Ein Kurs, der nie fertig wird, weil du drei Monate an der Technik baust, verdient nichts. Die Plattformfrage lässt sich später neu stellen, und zwar dann mit echten Umsatzzahlen statt mit Schätzungen. Wie sich diese Rechnung im Detail dreht, habe ich in meinem Artikel zur WordPress Kursplattform aufgeschrieben.
Ab wann sich die Umsatzbeteiligung nicht mehr lohnt
Der Rechenweg ist simpel und lohnt sich vor jeder Plattformentscheidung. Nimm deinen erwarteten Jahresumsatz mit dem Kurs, multipliziere ihn mit dem Prozentsatz der Plattform und addiere die Monatsgebühren. Diese Summe vergleichst du mit den Kosten einer eigenen Lösung inklusive Hosting und Wartung.
Bei 2.000 € Jahresumsatz gewinnt fast immer der Baukasten. Bei 60.000 € Jahresumsatz reden wir je nach Tarif über einen vierstelligen Betrag pro Jahr, der allein für die Abwicklung abgeht. Ab dieser Grössenordnung wird eine eigene Lösung interessant, weil ihre Kosten nicht mit dem Umsatz mitwachsen.
Lohnt es sich, einen Onlinekurs zu erstellen? Ein Blick auf den deutschen Markt
Digitale Lernangebote sind im deutschen Alltag angekommen, aber der Anteil derer, die dafür auch zahlen, ist kleiner als viele Kursanbieter annehmen.
45 Prozent der Bundesbürger nutzen digitale Lernmittel zur privaten Weiterbildung. Jeder Fünfte, also 20 Prozent, lernt dabei mit kostenpflichtigen Angeboten.
Quelle: Bitkom Research im Auftrag des Bitkom e. V., repräsentative Befragung von 1.010 Bundesbürgern ab 14 Jahren, darunter 459 Nutzer digitaler Lernangebote, Erhebungszeitraum August 2017
Die Erhebung ist inzwischen einige Jahre alt und der Anteil dürfte seitdem gestiegen sein. Neuere Zahlen mit vergleichbar sauberer Methodik habe ich für den Privatbereich nicht gefunden, deshalb steht hier die belegte alte Zahl statt einer geschätzten neuen. Die Grössenordnung bleibt aussagekräftig: Der Sprung von "schaut sich kostenlose Inhalte an" zu "kauft einen Kurs" ist die eigentliche Hürde, nicht das Interesse am Thema.
Für dich heisst das zweierlei. Erstens brauchst du kein Massenpublikum, sondern eine klar umrissene Gruppe, die ein konkretes Problem hat. Zweitens musst du den Kurs verkaufen, nicht nur veröffentlichen. Eine Kursplattform ohne Verkaufsseite und ohne E-Mail-Liste ist ein Regal ohne Laden drumherum.
Inhalte strukturieren: von der Themenliste zum Kursplan
Der häufigste Fehler beim Onlinekurs erstellen ist, mit dem Aufnehmen zu beginnen. Schreib stattdessen zuerst alles auf, was jemand können muss, um dein Ergebnisversprechen zu erreichen. Aus dieser Rohliste streichst du dann konsequent alles, was interessant, aber für das Ergebnis nicht nötig ist. Genau dieser Streichvorgang macht den Unterschied zwischen einem Kurs, den Leute abschliessen, und einer Materialsammlung.
Beim Onlinekurs erstellen entsteht die Struktur also durch Weglassen, nicht durch Hinzufügen. Ordne die verbleibenden Punkte danach, in welcher Reihenfolge sie aufeinander aufbauen. Jede Lektion bekommt ein eigenes kleines Ergebnis, das der Teilnehmer am Ende der Lektion tatsächlich vorzeigen kann. Diese Mini-Erfolge sind der Grund, warum jemand die nächste Lektion öffnet.
Plane pro Lektion ein Arbeitsblatt oder eine konkrete Aufgabe ein. Wer nur zuschaut, vergisst. Wer etwas anwendet, kommt wieder. Das ist auch der Punkt, an dem sich ein bezahlter Kurs von einem kostenlosen Video unterscheidet.
Wie du den Preis festlegst
Der Preis richtet sich nicht nach der Länge deines Kurses, sondern nach dem Wert des Ergebnisses. Ein Kurs, der jemandem drei Stunden Arbeit pro Woche spart, ist mehr wert als einer, der doppelt so viele Videos hat und nur Wissen vermittelt. Rechne aus, was das Ergebnis deinem Teilnehmer im Jahr bringt, und leite den Preis daraus ab.
Zu günstig zu starten ist dabei riskanter als zu teuer. Ein Kurs für 29 € braucht sehr viele Käufer, um sich zu tragen, und günstige Kurse werden erfahrungsgemäss seltener abgeschlossen. Der Preis hat direkten Einfluss darauf, welche Plattform sich für dich rechnet, denn eine Umsatzbeteiligung von 5 % tut bei 29 € kaum weh und bei 990 € sehr wohl.
Die Technik: Video, Zugriffsschutz, Zahlung
Drei technische Bausteine braucht jeder Onlinekurs. Alles andere ist Komfort und kann warten, bis der erste Kurs verkauft ist.
Video-Hosting
Kursvideos gehören nicht auf den eigenen Webserver. Ein normales Hosting-Paket ist für gleichzeitiges Streaming an mehrere Teilnehmer nicht gebaut, das Ergebnis sind Ruckler und im schlimmsten Fall eine gesperrte Seite. Nutze einen Video-Dienst mit Domain-Sperre, damit dein Video nur auf deiner eigenen Seite abspielbar ist. Öffentliche Plattformen mit "nicht gelistetem" Link sind kein Zugriffsschutz, sondern nur eine schwer zu erratende Adresse.
Zugriffsschutz
Der Kursbereich muss nach dem Kauf automatisch freischalten und bei Rückerstattung wieder sperren. Wer das manuell macht, verliert bei zwanzig Teilnehmern den Überblick. Diese Automatik ist der Punkt, an dem selbstgebaute Lösungen mit einem Passwort-geschützten Bereich regelmässig scheitern.
Zahlungsabwicklung
Du brauchst Kartenzahlung und PayPal, eine automatische Rechnung mit korrektem Umsatzsteuerausweis und eine saubere Widerrufsbelehrung für digitale Inhalte. Beim Verkauf an Privatpersonen im EU-Ausland kommt die Umsatzsteuer des Landes des Käufers ins Spiel. Genau diesen Teil nehmen dir Anbieter im sogenannten Reseller-Modell ab, indem sie selbst als Verkäufer auftreten. Das ist der Hauptgrund, warum ihre Gebühren höher sind, und für viele Einsteiger ein fairer Tausch.
Onlinekurs erstellen: der Ablauf in sieben Schritten
- Ergebnis formulieren. Ein Satz, der beschreibt, was der Teilnehmer danach kann.
- Nachfrage prüfen. Vorverkauf an eine kleine Gruppe, bevor der Kurs existiert. Das ist der ehrlichste Markttest.
- Gliederung bauen. Sechs bis zehn Lektionen, jede mit einem eigenen Mini-Ergebnis.
- Aufnehmen. Bildschirmaufnahme plus ordentliches Mikrofon reicht. Der Ton ist wichtiger als das Bild.
- Plattform einrichten. Video hochladen, Zugriff und Zahlung testen, einmal komplett als Testkäufer durchlaufen.
- Rechtliches klären. Impressum, Datenschutzerklärung, AGB und Widerrufsbelehrung für digitale Inhalte.
- Verkaufen. Verkaufsseite, E-Mail-Sequenz und ein fester Starttermin.
Diese sieben Schritte sind die Kurzfassung. Zwischen Schritt eins und Schritt sieben liegen bei einem ersten kleinen Kurs realistisch sechs bis zehn Wochen neben dem Tagesgeschäft. Wer sich zwölf Monate Zeit nimmt, verliert meist unterwegs die Lust.
Häufige Fragen zum Onlinekurs erstellen
Was kostet es, einen Onlinekurs zu erstellen?
Einen Onlinekurs erstellen kostet je nach Weg sehr unterschiedlich viel. Wenn du selbst aufnimmst, liegen die reinen Werkzeugkosten bei etwa 200 bis 600 € für Mikrofon und Software plus laufende Plattformkosten ab rund 40 € im Monat. Lässt du die Plattform professionell umsetzen, kommt eine einmalige Investition im vierstelligen Bereich dazu, dafür entfällt die dauerhafte Umsatzbeteiligung.
Brauche ich ein Gewerbe, um einen Onlinekurs zu verkaufen?
In der Regel ja. Der Verkauf digitaler Produkte ist eine gewerbliche Tätigkeit, sofern du sie nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht betreibst. Ob dein Fall unter die freien Berufe fällt, klärst du am besten mit deinem Steuerberater, bevor der erste Verkauf läuft.
Wie lang sollte ein Onlinekurs sein?
Kürzer, als die meisten denken. Die Forschung zu Onlinekursen zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Kurslänge und Abbruchquote. Sechs bis zehn Lektionen mit je acht bis zwölf Minuten sind ein guter Rahmen für den ersten Kurs.
Kann ich einen Onlinekurs mit KI erstellen?
Für Gliederung, Arbeitsblätter, Quizfragen und die Verkaufsseite ist KI eine echte Hilfe und spart Tage. Der inhaltliche Kern muss von dir kommen, denn genau die Erfahrung, die du selbst gemacht hast, ist der Grund, warum jemand deinen Kurs kauft und nicht einfach selbst ein Sprachmodell fragt.
Fazit: einen Onlinekurs erstellen, ohne sich in der Technik zu verlieren
Einen Onlinekurs erstellen ist am Ende weniger ein Technikprojekt als eine Reihe von Entscheidungen. Der Weg führt über ein klares Ergebnisversprechen, einen bewusst kleinen ersten Kurs und eine Plattform, die zu deinem Umsatz passt. Starte auf dem schnellsten Weg, miss deine Verkäufe und stell die Plattformfrage neu, sobald die Umsatzbeteiligung spürbar wird. Für den Anfang zählt nur, dass der Kurs live geht und jemand dafür bezahlt.
Wenn du an dem Punkt bist, an dem die laufenden Gebühren mehr kosten als eine eigene Lösung, schauen wir uns die Zahlen gemeinsam an. Ich habe mehrere Kursplattformen direkt in bestehende Webseiten gebaut, die Ergebnisse findest du in meinen Webprojekten. Eine Übersicht darüber, was eine solche Umsetzung kostet, steht in meinem Artikel was eine Webseite kostet. Und wenn du lieber direkt sprechen willst: Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Quellenhinweis: Die zitierte Untersuchung zu Abschlussquoten ist frei verfügbar im International Review of Research in Open and Distributed Learning.
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