Ein Homepage-Baukasten reicht, wenn du eine einfache digitale Visitenkarte willst und Zeit hast, sie selbst zu pflegen. Eine Agentur lohnt sich, wenn deine Webseite Anfragen bringen soll und du bei Google gefunden werden willst. Genau an dieser Stelle hake ich fast jedes Erstgespräch auf: "Ich könnte das doch auch selbst mit Wix machen, oder?" Die ehrliche Antwort ist: manchmal ja. Und manchmal wird daraus die teuerste Webseite, die ein Betrieb je hatte. Die Monatsgebühr ist dabei selten das Problem, es sind die Abende, die daran hängen.
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Homepage-Baukasten oder Agentur: Die Grundfrage
Ein Betrieb mit einem Gewerk, einem Einzugsgebiet, fünf Seiten und keiner offenen Stelle kommt mit einem Baukasten in der Regel jahrelang klar, vorausgesetzt jemand pflegt ihn wirklich, nicht nur im ersten Monat. Sobald mehrere Leistungen, mehrere Orte oder der Wunsch nach Bewerbungen über die Webseite dazukommen, kippt die Rechnung schnell in Richtung Agentur. Ich sage das als jemand, der beide Seiten gesehen hat: die Baukasten-Seite, die nach zwei Jahren niemand mehr aktualisiert hat, und die Agentur-Seite, die nach drei Jahren immer noch dieselben Anfragen bringt wie am ersten Tag.
Diese Entscheidung betrifft praktisch jeden Handwerksbetrieb in Deutschland früher oder später, weil eine eigene Webseite inzwischen zur Grundausstattung gehört. Die Frage ist nicht mehr, ob eine Webseite sinnvoll ist, sondern mit welcher technischen Basis sie aufgebaut wird und wie gut sie zum tatsächlichen Geschäftsmodell passt. Ein Betrieb, der über Google neue Kunden gewinnen will, braucht eine andere Grundlage als einer, der seine Kunden ausschließlich über Mundpropaganda bekommt und die Webseite nur als Nachweis der eigenen Seriosität führt.
Was ist ein Homepage-Baukasten?
Ein Homepage-Baukasten ist ein Abo-Werkzeug wie Wix, Jimdo oder IONOS MyWebsite, bei dem Domain, Hosting und ein visueller Editor in einem monatlichen Preis gebündelt sind. Du ziehst Textfelder und Bilder per Drag-and-Drop in vorgefertigte Vorlagen, ohne Programmierkenntnisse. Technik und Design bleiben dabei an die Plattform gebunden, ein Umzug zu einem anderen System ist meist nur über einen kompletten Neuaufbau möglich.
Der Anbieter kümmert sich um Server, Updates und Sicherheit im Hintergrund, dafür bestimmt er auch, wie weit du gestalterisch und technisch gehen darfst. Neue Funktionen kommen erst, wenn der Anbieter sie für alle Kunden ausrollt, nicht wenn du sie brauchst. Für sehr kleine Projekte ist das kein Problem, für wachsende Betriebe wird es irgendwann zur Bremse. Ein Baukasten eignet sich am besten dort, wo Einfachheit wichtiger ist als Kontrolle.
Was ist eine individuell erstellte Webseite?
Eine individuell erstellte Webseite, meist auf Basis von WordPress, wird von einer Agentur oder einem Freelancer gezielt für deinen Betrieb aufgebaut. Struktur, Design, Texte und technische Einstellungen sind auf dein Geschäft zugeschnitten, nicht auf eine generische Vorlage. Du besitzt die Inhalte und den Code vollständig, ein Wechsel des Hosters oder der Agentur ist jederzeit möglich, ohne die Seite neu aufzubauen.
Kosten im Vergleich: Baukasten gegen Agentur
Die reinen Abo-Preise von Homepage-Baukästen wirken verlockend günstig, zwischen 10 und 50 Euro im Monat je nach Tarif. Eine Agentur verlangt dagegen eine Anfangsinvestition, bei BroDesigns ab 1.990 Euro netto als Festpreis, danach läuft die Wartung ab 49 Euro im Monat weiter, kündbar ohne Mindestlaufzeit. Der Preis allein erklärt diesen Unterschied kaum. Entscheidend ist, was du am Ende für das Geld bekommst.
| Merkmal | Homepage-Baukasten | Agentur (Festpreis) |
|---|---|---|
| Einmalkosten | 0 Euro, dafür eigene Arbeitszeit | ab 1.990 Euro netto |
| Laufende Kosten | 10 bis 50 Euro/Monat | ab 49 Euro/Monat Wartung |
| SEO-Kontrolle | eingeschränkt, Plattform-abhängig | vollständig |
| Ladezeit | oft langsamer durch generischen Code | auf das Projekt zugeschnitten |
| Umzug nach Jahren | meist nur per Neuaufbau | Inhalte bleiben portabel |
| Eigene Zeit | Einrichtung, Texte, jede spätere Änderung | Abstimmung, Fotos, Freigabe |
Wer nur die Monatsgebühr vergleicht, übersieht die größte Position auf keiner Preisliste: die eigene Zeit. Bis zur ersten wirklich vorzeigbaren Version brauchen die meisten Betriebe im Baukasten zwischen 20 und 40 Abendstunden, verteilt über mehrere Monate. Rechnest du diese Stunden mit deinem eigenen Stundensatz, verschiebt sich die Rechnung oft deutlich.
Rechne außerdem über einen realistischen Zeitraum von 36 Monaten, nicht nur über das erste Jahr. In dieser Zeit summiert sich das Baukasten-Abo auf 360 bis 1.800 Euro, je nach Tarif, dazu kommen Premium-Vorlagen, Zusatzfunktionen für Formulare oder Terminbuchung und gelegentlich ein kostenpflichtiger Support-Kontakt. Bei der Agentur-Lösung steht die größere Summe am Anfang, danach bleibt sie über die gesamte Laufzeit planbar und enthält Betreuung, Updates und oft auch kleinere inhaltliche Änderungen im monatlichen Paket.
94 Prozent der Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen eine eigene Webseite, um im Internet auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen.
Quelle: Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, Studienbericht "Digitalisierung des Handwerks", Erhebungsjahr 2025, Stichprobe: 504 telefonisch befragte Handwerksunternehmen ab 1 Beschäftigten
Eine eigene Webseite ist im Handwerk also längst Standard, keine Ausnahme mehr. Die Frage "Webseite ja oder nein" stellt sich kaum noch. Die eigentliche Unterscheidung läuft heute über die technische Basis darunter, und genau darüber entscheidet sich, ob du online gefunden wirst oder nur online vorhanden bist.
Technische Grenzen bei Google-Sichtbarkeit
Baukasten-Plattformen liefern fertigen, oft aufgeblähten Code, den du nicht anfassen kannst. Für die technische Suchmaschinenoptimierung bedeutet das weniger Kontrolle über Ladezeit, Struktur und Metadaten, drei Faktoren, die bei der Wahl des richtigen Systems direkt über die Platzierung bei Google entscheiden. WordPress bleibt dagegen das mit Abstand am weitesten verbreitete System im Netz.
WordPress wird von 39,6 Prozent aller Webseiten eingesetzt, das entspricht einem Marktanteil von 58,3 Prozent unter allen Content-Management-Systemen.
Quelle: W3Techs, Bericht "Usage Statistics and Market Share of Content Management Systems", Erhebungsstand 27. Oktober 2026, Stichprobe: automatisierte Technologieerkennung des gesamten W3Techs-Webseitenbestands
Dieser Marktanteil kommt nicht von ungefähr. WordPress lässt sich technisch frei gestalten, während ein Baukasten dir vorgibt, wie tief du überhaupt eingreifen darfst. Für eine Agentur ist das der Unterschied zwischen "SEO einrichten" und "SEO innerhalb der Plattformgrenzen versuchen".
Konkret zeigt sich das bei drei Punkten, die für die lokale Auffindbarkeit entscheidend sind. Erstens die Ladezeit: Baukasten-Seiten laden häufig zusätzlichen Plattform-Code mit, den dein Betrieb gar nicht braucht, das kostet wertvolle Sekunden auf dem Smartphone. Zweitens die Seitenstruktur: eigene Unterseiten pro Leistung und pro Ort lassen sich in vielen Baukästen nur eingeschränkt anlegen, bei WordPress sind sie Standard. Drittens die Metadaten: Titel, Beschreibung und strukturierte Daten pro Seite frei zu setzen ist bei einer Agentur-Lösung selbstverständlich, in einem Baukasten oft nur über Umwege oder gar nicht möglich.
Wann sich ein Baukasten tatsächlich lohnt
Ich rate selten pauschal von Baukästen ab, denn für bestimmte Situationen passen sie wirklich. Ein Baukasten lohnt sich, wenn eines der folgenden Szenarien auf deinen Betrieb zutrifft:
- Du testest eine Geschäftsidee: Eine digitale Visitenkarte für wenige Monate, bevor du investierst.
- Du bist Einzelkämpfer ohne Wachstumsziel: Ein Gewerk, ein Gebiet, keine geplante Erweiterung.
- Du hast wirklich Zeit und Lust auf Technik: Nicht nur im ersten Monat, sondern dauerhaft.
- Die Seite ersetzt keine Anfragen: Kunden kommen ohnehin über Empfehlung oder bestehende Kontakte.
In all diesen Fällen spricht wenig dagegen, zunächst mit einem Baukasten zu starten. Wichtig ist nur, die Entscheidung regelmäßig zu überprüfen, am besten einmal im Jahr. Wächst der Betrieb, verändert sich oft auch das, was von der Webseite erwartet wird, und ein Baukasten, der heute noch passt, kann in zwei Jahren bereits zu klein geworden sein.
Wann sich eine Agentur auszahlt
Umgekehrt gibt es klare Signale, an denen ein Baukasten an seine Grenzen kommt und eine individuell erstellte Webseite den Unterschied macht:
- Mehrere Leistungen oder Einzugsgebiete: Struktur, interne Verlinkung und Orts-Unterseiten entscheiden hier über die Auffindbarkeit.
- Die Webseite soll Bewerbungen bringen: Eine eigene Karriereseite mit Stellenbeschreibung und klarem Bewerbungsweg braucht mehr als ein Baukasten-Template.
- Die aktuelle Seite ist alt, wird aber gefunden: Dann lohnt sich ein Relaunch statt Neustart von null, bestehende Adressen und Rankings bleiben erhalten.
- Du willst messbar mehr Anfragen: Ab wann sich die Investition rechnet, zeigt die Amortisationsrechnung für eine neue Webseite.
Ein Signal wird in Gesprächen oft unterschätzt: die mobile Nutzung. Die meisten Suchanfragen nach Handwerksleistungen kommen heute über das Smartphone, unterwegs oder direkt am Objekt. Eine Webseite, die auf dem Handy langsam lädt oder sich schlecht bedienen lässt, verliert einen großen Teil der Anfragen schon vor dem ersten Klick auf das Kontaktformular. Bei einer individuell erstellten Webseite lässt sich genau das gezielt optimieren, bei einem Baukasten bist du an die technischen Grenzen der Plattform gebunden. Wie stark sich das auf die tatsächliche Kundengewinnung auswirkt, habe ich im Beitrag zum Mobile-First-Webdesign ausführlicher aufgeschlüsselt.
Auch die eigene Markenwirkung spielt eine Rolle, die in der Baukasten-Debatte oft untergeht. Kunden erkennen gestalterisch häufig, ob eine Webseite aus einem Standard-Template stammt oder individuell für den Betrieb gebaut wurde, selbst wenn sie es nicht benennen können. Bei einer Branche wie dem Handwerk, in der Vertrauen und Sorgfalt zählen, wirkt sich das direkt darauf aus, ob eine Anfrage überhaupt abgeschickt wird.
Ein weiterer Punkt, den viele erst nach Jahren merken: kein Baukasten liefert dir ein fertiges, individuell geprüftes Impressum oder eine Datenschutzerklärung. Texte von einer fremden Seite zu kopieren bedeutet, deren Fehler und deren Risiko mit zu übernehmen, die vermeintlich günstige Lösung wird so schnell zur teuersten.
Was nach drei Jahren übrig bleibt
Der Unterschied zwischen beiden Wegen zeigt sich selten im ersten Monat. Er wird erst nach einigen Jahren Betrieb wirklich sichtbar. Bei einem Baukasten bedeutet ein Wechsel des Anbieters fast immer: Texte neu einfügen, Bilder neu hochladen, Struktur neu aufbauen, weil ein vollständiger Export der gestalteten Seite technisch nicht vorgesehen ist. Bei einer individuell erstellten Webseite bleiben Inhalte, Bilder und oft auch das aufgebaute Google-Ranking erhalten, ein Wechsel des Hosters oder der Agentur betrifft nur die Technik im Hintergrund.
Das betrifft auch die reine Datenhoheit. Deine Kundendaten aus Kontaktformularen, deine Texte und deine Bilder liegen bei einer Agentur-Lösung in deinem eigenen System, du kannst sie jederzeit exportieren. Bei einem Baukasten liegen sie auf den Servern des Anbieters, gebunden an dessen Nutzungsbedingungen und dessen Preispolitik für die kommenden Jahre.
Checkliste: In 5 Minuten zur Entscheidung
Bevor du dich entscheidest, beantworte dir diese vier Fragen ehrlich, am besten schriftlich:
- Wie viele Leistungen und Orte soll die Webseite abdecken? Eine Leistung an einem Ort spricht für einen Baukasten, mehrere Leistungen oder Orte für eine individuelle Struktur.
- Wie viel Zeit hast du realistisch pro Monat für die Pflege? Unter zwei Stunden im Monat sprechen gegen einen Baukasten, den niemand sonst pflegt.
- Soll die Webseite aktiv Anfragen oder Bewerbungen bringen? Dann zählt jede Woche ohne gute Auffindbarkeit bei Google.
- Wie lange soll die Webseite im aktuellen Zustand laufen? Unter einem Jahr als Übergangslösung spricht für einen Baukasten, darüber für eine Lösung, die mitwächst.
Beantwortest du mindestens zwei der vier Fragen in Richtung Wachstum, Anfragen oder Dauer, rechnet sich eine individuell erstellte Webseite in den allermeisten Fällen schneller, als die reine Abo-Gebühr des Baukastens vermuten lässt.
Häufige Fragen zu Homepage-Baukasten und Agentur
Ist ein Homepage-Baukasten für Handwerksbetriebe grundsätzlich schlecht?
Nein. Für eine einfache digitale Visitenkarte ohne Wachstumsziel kann ein Baukasten über Jahre funktionieren. Problematisch wird es erst, wenn die Webseite aktiv Kunden gewinnen oder bei mehreren Leistungen und Orten gefunden werden soll.
Wie viel teurer ist eine Agentur-Webseite wirklich?
Die Einmalkosten liegen bei einem Festpreis-Angebot deutlich über dem Baukasten-Abo, bei BroDesigns ab 1.990 Euro netto. Die laufenden Kosten unterscheiden sich dagegen weniger stark, Wartung beginnt ab 49 Euro im Monat und ersetzt oft mehrere Baukasten-Zusatzfunktionen in einem Paket. Über 36 Monate gerechnet nähern sich die Gesamtkosten der beiden Wege oft stärker an, als die erste Zahl auf der Preisliste vermuten lässt, vor allem wenn die eigene Arbeitszeit für den Baukasten mit eingerechnet wird.
Was kostet die Domain und das Hosting zusätzlich zur Agentur?
Eine Domain kostet je nach Endung zwischen 8 und 20 Euro im Jahr, unabhängig davon, ob du einen Baukasten oder eine individuelle Lösung wählst. Beim Baukasten ist das Hosting im Abo enthalten, bei einer Agentur-Webseite ist es häufig Teil des Wartungspakets oder wird separat ausgewiesen, in beiden Fällen solltest du vor der Entscheidung genau nachfragen, was im Preis wirklich enthalten ist und was später zusätzlich berechnet wird.
Kann ich später vom Baukasten zu einer individuellen Webseite wechseln?
Technisch ja, inhaltlich bedeutet es praktisch immer einen Neuaufbau. Texte und Bilder lassen sich übernehmen, die Struktur, das Design und oft auch die SEO-Einstellungen müssen neu angelegt werden, weil Baukasten-Systeme keinen vollständigen Export anbieten.
Lohnt sich ein Baukasten als Übergangslösung bis zur Gründung?
Ja, dafür sind Baukästen gut geeignet. Sobald der Betrieb läuft und erste Anfragen über die Webseite kommen sollen, zahlt sich der Wechsel zu einer individuell erstellten Seite in der Regel innerhalb weniger Monate aus.
Fazit: Homepage-Baukasten oder Agentur je nach Ziel wählen
Die Entscheidung Homepage-Baukasten oder Agentur hängt vor allem davon ab, was deine Webseite leisten soll. Das Budget ist dabei nur ein Teil der Rechnung. Reicht dir eine digitale Visitenkarte, ist ein Baukasten eine ehrliche Option. Soll die Webseite aktiv Anfragen bringen, bei Google gefunden werden und mit deinem Betrieb mitwachsen, führt kein Weg an einer individuell erstellten Lösung vorbei.
Aus meiner Erfahrung mit Handwerksbetrieben zahlt sich der Wechsel fast immer dann aus, wenn der Chef oder die Chefin merkt, dass die eigene Zeit für die Webseite knapp wird und gleichzeitig die Erwartungen an die Webseite steigen. Wer beides gleichzeitig spürt, verliert mit jedem weiteren Monat im Baukasten eher Anfragen, als er durch die niedrigere Abo-Gebühr spart. Besser ist es, die Entscheidung einmal bewusst zu treffen, anstatt Jahr für Jahr an einer Lösung festzuhalten, die eigentlich nur als Übergang gedacht war.
Wenn du wissen willst, was das für deinen konkreten Betrieb bedeutet, vereinbare ein kostenloses Erstgespräch, darin gehen wir gemeinsam durch, welche Variante zu deinem Ziel passt.
